Der gute Ton: Hören und Verstehen in Rundfunk und Fernsehen

Rundfunk ist ein "verbessertes Fernsehen".

Da muss man nur noch den Ton übertragen!

So äußerten sich seinerzeit die Mitarbeiter der NDR-Bauabteilung Rundfunk, Hamburg-Rotherbaum, in ihrem Verhältnis zur NDR-Bauabteilung Fernsehen, Hamburg Lokstedt. Noch heute erreichen den NDR (und auch die anderen ARD-Anstalten) Beschwerden über schlechte Sprachverständlichkeit vorrangig in Bezug auf Fernsehproduktionen, seltener beim Rundfunk. Sind die Tonmeister beim Rundfunk etwa die "besseren Menschen"?

 

Für meine schweizerischen Leser: Untertitel-Broschüre bei der Swisscom

Swisscom TV vereinfacht den Zugang zu barrierefreien TV-Inhalten. Untertitel, Audio-Deskription oder Gebärdensprache-Einblendungen sowie Lesbarkeit/Kontrast können zentral aktiviert werden. Darüber informiert ein Swisscom-Flyer, den pro-audito ind Netz gestellt hat.

Damit Menschen mit einer Sinnesbeeinträchtigung Fernsehen geniessen können, benötigen sie Hilfsmittel wie Untertitel, Gebärdensprache oder Audiodespkription. Swisscom vereinfacht für Menschen mit Beeinträchtigung bei Swisscom TV den Zugang zu diesen Hilfsfunktionen. In den «Einstellungen» können Kunden neu Untertitel, Audio-Deskriptionen und Gebärdensprache für TV-Sendungen, die dies anbieten, zentral aktivieren. In der Programmübersicht werden danach Inhalte mit solchen Ergänzungen optisch hervorgehoben. Die Neuerungen stehen allen Kunden mit der aktuellen UHD TV Box zur Verfügung. Die Möglichkeit, Sendungen mit Barrierefreiheit-Funktionen im TV-Guide und in den Programminfos hervorzuheben steht seit Ende 2016 zur Verfügung.

 

Treffen NDR mit Vertretern der Schwerhörigenverbände

Am 11.07.2017 begrüßte Niels Rasmussen, ARD-Projektleiter Barrierefreier Rundfunk, die Vertreter der Schwerhörigenverbände aus dem Sendebereich des NDR auf dem jährlichen Treffen zu einem Meinungsaustausch. Niels Rasmussen legte den Jahresbericht 2016/2017 der ARD und des NDR zu den barrierefreien Angeboten der Sender vor. Seit März dieses Jahres strahlt der NDR Untertitel und Audiodeskription auch über DVB-T2 aus. Für den Empfang von DVB-T2 ist allerdings ein zusätzlicher Decoder erforderlich. Der Decoder trägt ein grünes Logo. Nur so ist gesichert, dass damit barrierefreie Angebote empfangen werden können.

„Das Erste“ untertitelt bereits 96% aller Sendungen, die 3. Programme MDR (90%), NDR (82%), RB (80%), BR (72%), WDR 71%). Das Schlusslicht bilden z. Zt. Arte (16%), ARD-alpha (11%). Phoenix beginnt mit der Untertitelung im Herbst 2017.

Die Vertreter der Schwerhörigenverbände bemängelten die Live-Untertitelung bei einzelnen Sendungen sowohl im NDR-Fernsehen als auch im Ersten. Bei Live-Sendungen erscheint sehr lange kein Untertitel oder das Gesagte wird auf zu wenige Untertitel reduziert. Peter Lindner (NDR) betonte, dass sich der NDR auch mit solcher Kritik intensiv auseinandersetzt, bittet aber zu beachten, dass sich es bei Fehlern in der Live-Untertitelung nicht um Ignoranz handelt. Die Untertitel-Redakteure haben gerade bei Live-Sendungen sehr viele Dinge gleichzeitig zu beachten. So muss der Redakteur zunächst selbst dem im Fernsehen Gesagten zuhören und es verstehen. Gerade bei politisch komplexen Themen und Diskussionen, in denen viel durcheinander gesprochen wird, ist das oft schwierig. Das Gesagte muss unmittelbar danach in untertiteltauglicher Form gesprochen, eventuell korrigiert und auf Sendung gebracht werden. Während alldem läuft aber das Gespräch weiter, sodass der Redakteur weiter mit einem Ohr zuhören muss. Die Live-Untertitelung erfolgt unter permanentem Zeitdruck.

Das Thema Hintergrundgeräusche / Aussprache / Sprachverständlichkeit wurde ebenfalls heftig diskutiert. Ursula Heerdegen-Wessel (NDR) erklärte, die Toningenieure seien immer bestrebt, eine gute Mischung zu finden. Viele TV-Geräte strahlen allerdings den Ton nach hinten an die Wand ab, sodass viel Tonqualität verloren geht.

Bei Anlass zur Kritik sollte man sich direkt und unmittelbar beim Ersten oder den regionalen Sendern melden. Hier sind allerdings Detailangaben zu Sendung, Datum, Uhrzeit usw. sehr wichtig, damit die Kritik im konkreten Fall nachvollzogen werden kann.

Peter Drews, BdS Hamburg

Logo der Filmförderungsanstalt

 

2017-01 Filmförderungsgesetz FFG

Zum 1. Januar 2017 ist das neue Filmförderungsgesetz in Kraft getreten. In §47(1) "Barrierefreie Fassung" heißt es:

Förderhilfen für die Herstellung und die Digitalisierung von Filmen dürfen nur gewährt werden, wenn bis zur Erstaufführung in einem Kino wenigstens eine Endfassung des Films als barrierefreie Fassung hergestellt wird. Förderhilfen für Kinos und den Absatz von Filmen dürfen nur gewährt werden, wenn barrierefreie Fassungen in geeigneter Weise und in angemessenem Maße zugänglich gemacht werden.

Deshalb muss der Film vor der Aufführung in einer Version mit Untertiteln und deutscher Audiodeskription in kinogeeigneter Qualität vorliegen.

Das FFG habe ich gefunden bei der Filmförderungsanstalt FFA

 

2015-04 Untertitel-Standards

Nach welchen Vorgaben werden Untertitel hergestellt?

Hier können Sie die Standards der ARD-Anstalten einsehen.

Sie können sie aber auch als PDF-Datei herunterladen.

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Untertitel-Standards ARD, ORF, SRF und ZDF
2015-04 Untertitel-Standards_ARD_ORF_SRF
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Logo der DAGA 2015 in Nürnberg

 

2015-03 DAGA:

Anpassbarer Fernsehton für Hörgeschädigte über HbbTV 2.0

Michael Weitnauer hat auf der DAGA 2015 ausgeführt:
Besonders für hörgeschädigte Personen ist die gute Verständlichkeit des gesprochenen Dialogs im Fernsehen ein wichtiger Punkt. Aus vielen Gründen wird die Sprachverständlichkeit aktueller TV-Produktionen vor allem von älteren Personen und Hörgeschädigten oft als unzureichend beurteilt. Das EU-Projekt HBB4ALL beschäftigt sich mit dem barrierefreien Zugang zu Medien für alle Bürger. Eine der Herausforderungen dabei ist die Bereitstellung von Inhalten über verschiedene Kanäle mit einer Spezifizierung für unterschiedliche Zielgruppen. Ziel des Projektes ist es, unter anderem die Sprachverständlichkeit von TV-Produktionen insbesondere für Hörgeschädigte zu verbessern. Dabei soll ein automatisierbarer Dienst realisiert werden, welcher einfach in bestehende Workflows zu integrieren ist. Den DAGA-Kurzvortrag kann man hier nachlesen.

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Anpassbarer Fernsehton für Hörgeschädigte über HbbTV 2.0
2015-03 Weitnauer Anpassbarer Fernsehton
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Logo der Tonmeistertagung 2014

 

2014-12 Tonmeistertagung: Barrierefreie Audiokommunikation -

Von der Aufnahme bis ins Wohnzimmer

Dieser Text wurde gemeinsam verfasst von  H. Baumgartner, W. Hoeg, A. M. Koolwaay, J. Rennies, E. Bodenseh, W. Schukrafft und M.Wächtler und gibt einen gute Überblick über die bis dahin vorhandenen Erkenntnisse und Möglichkeiten.

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Barrierefreie Audiokommunikation – Von der Aufnahme bis ins Wohnzimmer
2014-12 TMT Barrierefreie Audiokommunika
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Abbildung von Sprachsignalen: oben verständlich - unten unverständlich

 

2014-07 ARD-ZDF Sprachverständlichkeit im Fernsehen, Empfehlungen für Programm und Technik

ARD und ZDF haben gemeinsam eine Broschüre herausgegeben, in der Dr. Michael Rombach, Vorsitzender der ARD/ZDF Produktion- und Technikkommission schreibt:
Mit der Umsetzung der EBU-Richtlinie R128 als Standard zur Ton-Aussteuerung wurde 2012 ein wichtiger Schritt in der Harmonisierung der Lautheit bei Fernseh-Produktionen vollzogen. Geblieben sind jedoch Beschwerden über störende Musikuntermalung, zu laute Hintergrundgeräusche und schlechte Sprachverständlichkeit insgesamt. Besonders betroffen sind Zuschauer mit einer Hörbeeinträchtigung.

Die vorliegenden Empfehlungen geben eine Hilfestellung entlang der Produktionskette, damit der Ton von der Planung bis zur Ausstrahlung von einer möglichst großen Anzahl an Zuschauern als angenehm empfunden wird. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und freue mich auf eine erfolgreiche Umsetzung.

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2014-07 ARD-ZDF Sprachverständlichkeit, Empfehlungen für Programm und Technik
2014-07 Empfehlung Sprachverstaendlichke
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Logo der DAGA 2014 in Oldenburg

 

2014-03 DAGA: Verbesserung der Sprachverständlichkeit

von fertig gemischtem Stereo-Fernsehton

Felix Matzura hat auf der DAGA 2014 zu diesem Thema einen interessanten Vortrag gehalten. Den Anlass für seine Arbeit beschreibt er wie folgt:

Eine ARD Arbeitsgruppe beschäftigt sich seit einiger Zeit verstärkt mit der Verbesserung der Sprachverständlichkeit im Fernsehton. Die Probleme können bereits im Produktionsprozess entstehen und werden durch altersbedingte Hörverluste beim älter werdenden Publikum noch verstärkt. Bei der Produktion bereits optimale Sprachverständlichkeit zu gewährleisten sollte oberstes Ziel sein, jedoch kann auch die nachträgliche Verbesserung einer fertigen Mischung von Interesse sein, wenn keine Einzelspuren mehr vorliegen oder eine erneute Abmischung aus finanziellen Gründen nicht möglich ist.

Den DAGA-Kurzvortrag kann man hier nachlesen.

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Verbesserung der Sprachverständlichkeit von fertig gemischtem Stereo-Fernsehton
2014-03-SprachVerstVerbFernsehen_F_Matzu
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Logo der Uni für Musik und darstellende Kunst Wien

 

2014-03 Sprachverständlichkeit im Fernsehen

Elisabeth Hildebrand hat sich in ihrer Diplomarbeit zur Tonmeisterin ebenfalls mit der Sprach-Verständlichkeit im Fernsehen befasst und hat dazu ausgewählte Teilaspekte im Kontext der Entwicklung einer Production Guideline betrachtet. Auch diese Arbeit wurde 2014 fertiggestellt.

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Sprachverständlichkeit im Fernsehen
2014-03 Sprachverstaendlichkeit im Ferns
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Logo des NDR

 

2014-02 Der gute Ton

Als seinerzeit Lutz Marmor Intendant des NDR wurde, hat er sofort begonnen, barrierefreie Angebote zu etablieren. Zunächst ging es dabei um die Fernseh-Sparte. Was dort bisher erreicht wurde, können Sie hier nachlesen. Vorrangig ging es um Untertitel und Gebärdensprache, aber Uschi Heerdegen-Wessel vom NDR schreibt zur Sprachverständlichkeit:

Immer wieder erreichen uns aber auch Zuschriften von Fernsehzuschauern, die nicht behindert sind und die sich darüber beklagen, dass die Sprache nicht zu verstehen sei, weil sie mit zu lauter Musik unterlegt wurde oder die Hintergrund-Geräusche das Wort überdeckten. Dieser auf Empfehlungen der BBC basierende Leitfaden hat zum Ziel, alle an der Erstellung von Beiträgen Beteiligten aus Redaktion und Produktion zu sensibilisieren, um mit einfachen Mitteln den auditiven Zugang zu unseren Inhalten zu verbessern. Die Verständlichkeit der Sprache steht im Fokus.

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Der gute Ton, Leitfaden des NDR
2014-02 NDR Heerdegen Der gute Ton.pdf
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Logo des NDR

 

2014-02 10 Goldene Regeln

Askan Siegfried, Dipl.-Tonmeister beim NDR, Abteilung Studio Bild und Ton, hat im Februar 2014 seine 10 Goldenen Regeln für die Sprachverständlichkeit im Fernsehen sehr plakativ und (eigentlich für alle Tonmeister und Toningenieure) überschaubar präsentiert. Das ist die obere der beiden Download-Dateien.

Bereits vom November 2009 stammen seine Hinweise zu Sportsendungen.

Die sind etwas technischer gehalten. Siehe weiter unten...

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10 Goldene Regeln für Sprachverständlichkeit im Fernsehen
2014-02 NDR Askan Zehn Goldene Regeln.pd
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Zehn Gebote - Sortsendungen im Surroundton 5.1
2009-11 Zehn Gebote - Sportsendungen im
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Foto von Lutz Marmor

 

2014 H1 Spektrum Hören: Interview mit NDR-Intendant Lutz Marmor

"Wir bauen Barrieren immer weiter ab."

Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks und Vorsitzender der ARD, hat im Heft 1/2014 von Spektrum Hören ein Interview zu zahlreichen Fragen im Zusammenhang mit Untertiteln gegeben.

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Wir bauen Barrieren immer weiter ab
2014 H1 SH Interview Lutz Marmor NDR.pdf
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Fotos A.M.Koolwaay und Dr.M.Müller

 

2014 H1 Für weniger Nebengeräusche im Fernsehprogramm

Im Heft 1/ 2014 wurde darüber berichtet, dass Anna Maria Koolwaay die Vertretung des DSB in der ARD-Arbeitsgruppe "Barrierefreie Angebote" (Leitung Lutz Marmor) übernommen hat. Die dort aufgeführten Ziele sind nach wie vor gültig, aber Frau Koolwaay hat inzwischen (2017) diese Arbeit an Dr. Matthias Müller übergeben.

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Referat Rundfunk-Fernsehen-Kino
2014 H1 SH Referat RF-FS-Kino.pdf
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Foto von Lutz Marmor

 

2013 H3 TF Musikalische Untermalung in Radio und Fernsehen

Reportagen, Interviews, der Wetterbericht und Verkehrsnachrichten werden im Radio häufig mit Musik unterlegt. Für Menschen mit Hörbehinderung ist diese Musikuntermalung, die sogenannte Musikbettung, in Radio und Fernsehen sehr problematisch, denn sie beeinträchtigt die Sprachverständlichkeit immens und verursacht starke Verständnisschwierigkeiten. Zu diesem Thema hat der ARD-Vorsitzende und Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor, für das Tinnitus-Forum eine sehr detaillierte Beschreibung erarbeitet.

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Lutz Marmor Musikbettung
2013 H3 Tinnitus-Forum Marmor Musikbettu
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Logo des Institus für Rundfunktechnik

 

2011-10 Technische Richtlinien - HDTV

zur Herstellung von Fernsehproduktionen für ARD, ZDF und ORF

Diese Richtlinien des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) sind hochinteressant, aber nur etwas für "hartgesottene Techniker".

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IRT-Richtlinie TPRF HDTV
2011-10 irt technische_richtlinien_hdtv.
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2007-06 Sprache Beschallung Störgeräusch Verständlichkeit

Ich weiß nicht mehr, mit wie vielen Leuten ich in den vergangenen Jahren über diesen Themenkomplex diskutiert habe. Immer, wenn ich einen interessierten Professor "an der Angel" wähnte, dann stellte er während des Gespräches fest, dass die Thematik zu umfangreich für ein einzelnes Forschungsvorhaben sei und dass er das mit seinem Institut nicht alles bearbeiten könne. Und schon war der Angelhaken wieder leer. Interessant ist, dass bisher niemand meinen Thesen widersprochen hat.

 

Am 2017-08-21 habe ich zu diesem Thema von der Sprechfabrik folgende Hinweise erhalten:

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat im letzten Jahr die Richtlinie VDI 4062 „Evakuierung von Personen im Gefahrenfall“ verabschiedet und das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat gemeinsam mit dem Verband der Elektrotechnik (VDE) in seinen Vornormen DIN VDE V 0827 Teil 1 und 2 „Notfall- und Gefahrensysteme“ auch für die Sprachansagen-Herstellung erweiterte Maßstäbe gesetzt.

In den Normen ... gibt es Hinweise zu sprecherischen Details, z.B. zur Sprechstimme, Tonlage, Klangfarbe, Schärfe, melodischen Struktur, zum Sprechrhythmus etc. In die VDI-Richtlinie ging auch erstmals die Anforderung einer Zielgruppenanpassung von Ansagen ein.