Beten und Arbeiten unter einem Dach

Ora et labora – dieser Grundsatz der Benediktiner-Mönche gilt jetzt auch in der Hamburger Hauptkirche St. Petri. „Man fühlt sich tatsächlich wie in einem Kloster, wenn man in einer Kirche nicht nur betet, sondern auch sein Büro hat“, bestätigt Hauptpastor Christoph Störmer. Seit kurzem residieren er und seine beiden Amtskollegen sowie die Kirchenmusiker KMD Thomas Dahl, Sabine Paap und Christoph Schlechter in einem gläsernen Kubus im Inneren der Petri-Kirche. Neben den Arbeitszimmern der Pastoren und Kirchenmusiker sind dort auch Küsterei und Kirchenbüro untergebracht. 240 m² Nutzfläche bietet der skulpturale zweistöckige Glaskörper, den der Hamburger Architekt Hakki Akyol konzipiert hat.

Aus seiner Feder stammt auch der Entwurf für das  Gemeindezentrum, das auf dem Platz zwischen der Kirche und der Domstraße gebaut wurde. Im dreistöckigen Backsteinbau liegen die Beratungsräume der St. Petri-Seelsorger, der Gemeindekindergarten mit einem Außenspielplatz und – im obersten Geschoss – der Gemeindesaal mit einer großen Dachterrasse.

„Kann man überhaupt in Büroräumen innerhalb einer Kirche arbeiten, wenn nebenan fast pausenlos Veranstaltungen (Gottesdienste, Andachten, große und kleine Konzerte einschließlich der dazugehörigen Proben und der Auf- und Abbauarbeiten) stattfinden?“ wollte Störmer von Architekt Akyol wissen. Der schlug daraufhin vor, die TAUBERT und RUHE GmbH mit der Beratung für den Schallschutz zwischen der Kirche und den Büroräumen einzuschalten. Kirchenmusiker Dahl äußerte in diesem Zusammenhang seine Bedenken, der Glaskubus könnte die Raumakustik in der Kirche ungünstig beeinflussen. Er stellte die Hauptorgel und seine Hilfe dann auch für die Ausführung der Schallmessungen zur Verfügung. Dabei ging es zunächst um die Frage, wie laut die Orgel im ungünstigsten Fall in der Kirche sein wird, wenn gleichzeitig in den angrenzenden Büroräumen gearbeitet und telefoniert werden soll und welche Schalldämmung erforderlich ist. Die Messungen wurden dann auch gleich dazu verwendet, die Schallverteilung im Hauptschiff und in den beiden Seitenschiffen zu messen. Hieraus ergaben sich Aufschlüsse zu der Frage, welche raumakustische Relevanz eine bauliche Veränderung in der Ebene des zweiten Südschiffes haben würde.

Inzwischen wird der Glaskubus intensiv genutzt. Die Frage, ob der Schallschutz zufriedenstellend sei, beantwortet Ruhe: “Zum Feedback in der Schallschutzberatung gilt das Motto: wenn wir vom Kunden nichts mehr hören, dann hört der Kunde nichts mehr. Das stimmt im vorliegenden Fall allerdings nicht ganz, denn die St. Petri-Gemeinde hat uns bereits mit neuen Aufgaben betraut.“

Auch KMD Thomas Dahl ist mit der Raumakustik hoch zufrieden. Nach seiner Aussage hört man im Südschiff jetzt besser als früher. Dies ist nach Ruhe dadurch begründet, dass der Schall, der früher im zweiten Südschiff verloren ging, jetzt an den Glasflächen mit sehr kurzer Zeitverzögerung zu den Zuhörern im ersten Südschiff reflektiert wird und so die Durchsichtigkeit musikalischer Darbietungen verbessert.

Ruhe hat bereits einige gläserne Einbauten in Kirchen betreut. Als letztes großes Projekt vor St. Petri war er mit dem Einbau einer Winterkirche in der Lübecker St. Jacobi-Kirche befasst. Auch dort gibt es bei den Pastoren, Kirchenmusikern und dem Architekten nur zufriedene Gesichter.