Referenzen: Beschallungsanlagen

Lange Zeit habe ich gar nicht darüber nachgedacht, dass ich vielleicht auch ein paar der in den letzten Jahren betreuten Beschallungsanlagen vorstellen sollte. Aber kürzlich sagte jemand zu mir "Ach, Beschallung machen Sie auch? Ich dachte, Sie können nur IndukTion!"

Diesem schweren Missverständnis ist leicht abzuhelfen!

Derzeit laufen:

Bad Segeberg, St. Marien, Erweiterung der Anlage von 2006 um die Vierung

Meldorf, "Dom" St. Johannes, Erneuerung der etwa 40 Jahre alten Anlage

Rendsburg, Christkirche, kreuzförmiger Grundriss mit vier gleichlangen Armen

Hamburg-Alsterdorf, St. Nikolaus, Erneuerung der Beschallung anlässlich der Kirchen-Sanierung

Derzeit läuft noch nicht:

Hamburg: Hauptkirche St. Jacobi

Hier hat man vor etwa 20 Jahren (wie weiter unten auch bei fast allen anderen aufgeführten Kirchen) nach dem Motto hehandelt "Viel bringt viel" und in dieser Kirche hat man, weil sie sehr groß ist, auch nicht gekleckert, sondern geklotzt. Weil jetzt aber erst einmal andere wichtige Bauarbeiten anstehen, hat man die Sanierung der Beschallungsanlage zurück gestellt.

Abgeschlossen sind dagegen unter anderem:

Eckernförde St. Nicolai, Blick zum Altar, Zustand Weihnachten 2017

2019-01 Eckernförde, St. Nicolai

Die Nicolaikirche in Eckernförde ist eine backsteingotische dreischiffige Hallenkirche mit einem Raumvolumen von 4.600 m³ und einer Nachhallzeit (unbesetzt) von 2,4 s. Bei Vollbesetzung mit 400 Personen beträgt das spezifische Raumvolumen 11,5 m³/Person und die Nachhallzeit nimmt dann auf etwa 1,7 s ab. Das Foto rechts zeigt den Zustand Weihnachten 2017. Behalten Sie den Tannebaum im Blick! Die Aufgabe besatnd darin, nicht nur - auch bei geringen Besetzungen - eine gute Sprachverständlickeit herzustellen, sondern auch, z. B. zu Weihnachten oder bei Konfirmationen, einen ausreichend hohen Schallpegel zu erzielen.

Eckernförde St. Nicolai, Zustand bei der Wieder-Einweihung Januar 2019

Die Lösung war ein einziger 2,2 m hoher DSP-gesteuerter Lautsprecher, welcher sich etwa an der Stelle befindet, wo im Bild oben der Tannenbaumes zwischen den beiden Epitaphien stand. In den Mess-Diagrammen sind rot die Werte der alten Anlage dargestellt, zwei Tage vor der Einweihung in der noch unbestuhlten Kirche wurde die lila Kurve aufgenommen und nach der Einweihungsfeier mit Bestuhlung die graue. Der STI liegt fast über die gesamte Raumtiefe bei 0,68 und wird nach hinten besser als vorne. Das belegt die gute Richtwirkung des Lautsprechers. Unabhängig davon, ob die Kirche bestuhlt oder völlig leer ist, liegen die Schallpegel nicht mehr bei nur 55 dB(A), sondern bei 68 dB(A) und - wie gesagt - nur ein einziger Lautsprecher. Herzlichen Dank an Paul Klein und seine vorzüglichen Mitarbeiter*innen!

 

Logo von St. Severin

2018-08 Sylt/Keitum, St. Severin

Dies ist mal wieder eine 4-g-Anlage, die zeigt, wie es eigentlich immer sein sollte: "geplant, gebaut, gemessen, gut". In St.-Severin, Keitum, wurde die Beschallungsanlage erneuert und gleichzeitig auch eine IndukTive Höranlage eingebaut. St. Severin ist DIE Kirche auf Sylt und sie steht deshalb unter den strengen Augen der Denkmalpflege. Vor 30 Jahren wusste man sich nicht besser zu helfen, als die Lautsprecher unter den Sitzflächen der Bänke anzubringen, aber nur in jeder vierten Reihe. Dass weder der Pegel noch die Sprachverständlickeit gut waren, ist klar. Die optimale Vorgehensweise mit einem eingelnen DSP-gesteuerten Lautsprecher wurde hier von der Schwierigkeit begleitet, dass eigentlich kein sachgerechter Platz zur Anbringung vorhanden ist.

Keitum, St. Severin, Lautsprecher rechts zwischen Chorbogen und Kanzel

Schließlich konnte der Lautsprecher doch "relativ optimal" montiert werden. Er versorgt sowohl die untere Zuhörerebene als auch die Empore. Der Vorteil, dass bei der Predigt die Blick- und die Hörrichtung zusammenfallen, wird mit zwei Nachteilen erkauft, die bei einiger Gewöhnung aber zu beherrschen sind.

1. Die Pastorin hat ein sehr lautes Monitoring und spricht dadurch ungewollt leiser. Das begrenzt den möglichen Pegel.

2. Beim Begehen der Kanzel-Treppe muss man sich mit dem Ansteck-Mikrofon vom Lautsprecher abwenden, sonst pfeift es kurz.

An das zunächst etwas ungewohnte Bild hat sich die Gemeinde gut gewöhnt und die Denkmalpflege ist auch zufrieden. Danke an Architekt Fröhler für die planerischen Abstimmungen sowie an Michael Edler und Mitarbeiter!

 

Hamburg-Langenfelde, Zum guten Hirten, Probebeschallung

2015-02 Hamburg-Langenfelde, Zum guten Hirten

Auf dem Foto kann man schon "sehen" wie diese Kirche klingt. Entsprechend ungünstig war auch die Sprachverständlichkeit der verteilten Lautsprecher. Die Kirche ist nicht nur hoch, sondern auch sehr breit. Deshalb sind die Lautsprecherboxen für eine gute Verständlichkeit viel zu weit weg von der Gemeinde. Obwohl der Intellivox-Lautsprecher bei der Probebeschallung gut 2,5 m hoch war, kann man ihn hier aufgrund des (ungünstig) großen Abstandes nicht erkennen. Betrachten Sie erst einmal das Foto unten, danach finden Sie ihn auch hier. Um etwa in der Mitte der Kirche zu messen, wurde in jeder Reihe des linken Bankblocks der dritte Platz gewählt.

Der STI ist in dieser halligen Kirche auch trotz des sehr guten Lautsprechersystems "nicht so berauschend". Zudem steigt er nach hinten an, obwohl er typischerweise wegen des schlechter werdenden Verhältnisses Direktschall/Diffusschall schlechter werden müsste. Heute leite ich daraus ab, dass man den Beam noch etwas mehr nach unten neigen muss, aber damals hatte ich diese Kenntnisse noch nicht. Es geht also doch noch etwas besser.

Weil das in anderen Kirchen auch passierte (in Eckernförde [weiter oben] habe ich das beim Einmessen nach der "Fertig"-Ansage der Monteure noch rechtzeitig bemerkt und sie haben es korrigiert), könnte das auch ein Systemfehler zu sein. Zukünftig werde ich genau darauf achten und messtechnisch zu überprüfen versuchen, ob der Berechnungs-Algorithmus des betreffenden Herstellers stimmt.

 

Hamburg-Harvestehude, St. Johannis, Lautsprecher links am Pfeiler zwischen Chor und Langschiff

2015-08 Hamburg-Harvestehude, St. Johannis

Wie in vielen anderen norddeutschen Kirchen auch, hatte eine Kirchenbeschallungsfirma in dieser neugotischen, fast 40 m langen und gut 8.000 m³ großen, Backsteinkirche eine Lautsprecheranlage frei nach dem Motto "viel brigt viel" allein in der unteren Ebene 18 Lautsprecher-Säulchen verteilt und die vorherigen größeren von Klein+Hummel auf die Emporenebene verbannt. Das war übrigens dieselbe Firma, welche auch in Buxtehude gewerkelt hatte. So etwas konnte nicht gut gehen (und ging es auch nicht). Mit diesem Spielzeug war die Sprachverständlichkeit nur in einigen Bereichen des Kirchenschiffes etwas besser als ganz ohne Beschallung. Also musste wieder eine DSP-gesteuerte Lautsprechersäule her, diesmal eine 4,0 m lange Intellivox von Duran-Audio, die Mediasystem installiert und eingemessen hat. Die Kanzel hängt rechts an dem Pfeiler zwischen Chorraum und Langschiff, der Lautsprecher links gegenüber.

Messdiagramm des Sprachübertragungsindex ohne, mit alter und mit neuer Beschallungsanlage

Die rote STI-Kurve gilt für natürliche Schallausbreitung ohne Benutzung eines Lautsprechers. Im Nahbereich ist die Verständlichkeit prima, weil kein Lautsprecher mit Diffusschall einwirkt und noch fast "Freifeldbedingungen" vorliegen. Ab 15 m Abstand konnte die alte Anlage ein wenig zur Verständlichkeit beitragen.

Wie viel anders sieht das aus (und hört sich das an), wenn die DSP-gesteuerte Säule zu einem spricht. Man kommt an der Westseite in die Kirche und hat das Gefühl, die Pastorin spräche direkt neben einem. Beim ersten Mal habe ich mich tatsächlich zur Seite gedreht und nach ihr ausgeschaut, aber sie stand vorne am Lesepult!

 

Buxtehude, St. Petri, Lautsprecher rechts am Pfeiler zwischen Chottaum und Langschiff

2014-10 Buxtehude, St. Petri

Die dreischiffige backsteingotische Basilika hatte früher eine Beschallung mit vielen verteilten Lautsprecherchen kleiner Leistung. Die erzeugten zwar einen sehr gleichmäßigen Schallpegel; der bestand aber fast ausschließlich aus Diffusschall. Entsprechend schlecht war die Sprachverständlichkeit. Die Fa. Steffens konnte anhand einer Probebeschallung nachweisen, wieviel besser die Sprachverständlichkeit mit einem DSP-gesteuerten Lautsprecher ist. Er befindet sich vorne rechts an dem Pfeiler, welcher den Übergang vom Chor zum Langschiff bildet. Das passt sowohl zur Sprache am Altar und am Lesepult als auch auf der Kanzel.

Messdiagramm des Sprachübertragungsindex mit alter und neuer Lautsprecheranlage

Anhand der STI-Messungen kann man zwischen Bestandsaufnahme und Abnahmemessung gut meine eigenen messtechnischen Fortschritte erkennen. Inzwischen messe ich nämlich in jeder Bankreihe und nicht mehr nur punktuell. Sehr schön sieht man im Vergleich alt gegen neu, wie viel besser der STI wird, wenn man nur einen sehr gut bündelnden und auf die Zuhörerfläche ausgerichteten Lautsprecher verwendet.

 

Flensburg, St. Marien, Einmessung für die Probebeschallung und Demonstration

2014-09 Flensburg, St. Marien

Die Erfahrungen mit den DSP-gesteuerten Lautsprechersäulen sind inzwischen einheitlich so gut, dass ich mich immer wieder bemühe, diese Systeme einbauen zu lassen. Weil sie nicht nur die Lautsprecher, sondern auch Equalizer, Delay und Verstärker enthalten, kosten diese Lautsprecher zwar eine ganze Menge, aber wenn man das ins Verhätnis setzt zur Summe, welche die einzelnen Komponenten kosten würden, dann relativiert sich das sehr schnell. Oft ist es sinnvoll, mit einer Probebeschallung den "wirklich optimalen" Anbringungsort zu ermitteln. Dann besteht auch gleich die Gelegenheit, die Bauherrenschaft von der Versteh-Qualität zu überzeugen. Hier ist die Firma Steffens in der heimelig dunklen Marienkirche bei der Arbeit.

 

Lübeck, Herz-Jesu-Kirche, neue Bänke mit Polsterauflage

2014-06 Lübeck, Herz-Jesu

Die Lübecker Herz-Jesu-Kirche war wohl bisher für mich die größte Herausforderung. Hatte sie vor der Sanierung eine Nachhallzeit von fast 8 s, liegt sie hinterher (mit neuen Bänken, welche an Sitz- und  Rückenlehnen mit schallabsorbierenden Polstern ausgestattet sind) noch immer bei etwa 5,5 s. Und da soll man eine verständliche Sprachbeschallung hinbekommen! Deshalb wurden sehr schmale Lautsprechersäulen verwendet, welche die tiefen Töne gar nicht erst abstrahlen. Dann können sie den ungünstig langen tieffrequenten Nachhall auch nicht anregen. Die beiden DSP-gesteuerten Lautsprechersäulen befinden sich links und rechts vor dem jeweils zweiten Pfeiler von vorne auf Höhe der Altarstufen.

Messergebnisse des Sprachübertragungsindex

Die Messergebnisse des Sprachübertragungsindex wurden nicht im Endzustand (mit den neuen gepolsterten Bänken) aufgenommen, sondern mit den alten ohne Polster. Um die Schallabsorption des Publikums bzw. der jetzigen Bankpolster nachzubilden, haben wir etwa 300 m² Moltontücher über die Bänke ausgebreitet. Die Nachhallzeit ging zurück, der Diffusschall wurde weniger und bei gleicher Einstellung der Beschallungsanlage stieg der STI an. Das ist im nebenstehenden Diagramm deutlich zu erkennen. Die Messergebnisse sind zwar nicht gut, aber mehr war bei diesem langen Nachhall nicht herauszuholen.