Warum ist das Honorar so hoch?

Vor einigen Jahren – damals war ich noch Mit-Inhaber der TAUBERT und RUHE GmbH – kam ein Praktikant von einer Baustellen-Messung zurück und erzählte, der Bauleiter habe ihm gesagt: „Taubert und Ruhe ist ja gut, aber die sind immer so teuer. Andere machen das zum Pauschal-Honorar viel billiger. Wir müssen immer sehen, dass wir Begründungen finden, die trotzdem zu nehmen.“

Der Praktikant freute sich darüber, dass „seine“ Firma gelobt wurde, wollte aber wissen, warum die vom Bauleiter erwähnten Pauschal-Honorar-Büros denn billiger arbeiten. Da reichte jetzt die Aussage nicht, dass ein billiger Jakob (wie überall) kein so gutes Produkt liefern könne wie eine Markenfirma. Hier mussten genauere Erläuterungen her. Entsprechend der Aussage des Bauleiters habe ich auch meine Antwort in zwei Abschnitte unterteilt, die sie im Folgenden nachlesen können:

1. Warum sind wir „die besten“ Akustiker
(besser als unsere "pauschal-Honorar-Kollegen")?

- Viele unserer Kollegen im norddeutschen Raum sind „Einzelkämpfer“. Sie haben deshalb keine Möglichkeit für eine kollegiale Erörterung von Sachverhalten, die man allein nicht (so gut) lösen kann. Bei unseren 18 Mitarbeitern gibt es immer jemanden, der Hilfestellung geben kann, und sei es durch die richtige Gegenfrage.

- Wir haben eine sehr lange Praxis auf dem ausübenden Gebiet der Musik (zusätzlich zu - jetzt - über 50 Jahren Planungstätigkeit)

- Wir haben dadurch beste Verbindungen zu Musikern und Theaterleuten

- Wir haben ebenfalls beste Verbindungen zur musikalischen Akustik bei der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig und beim Fraunhofer-Institut (IBP) in Stuttgart

Verschiedene TuR-Ingenieure arbeiten mit im

- Normenausschuss DIN   4109 "Schallschutz im Hochbau"
- Normenausschuss DIN 15906 "Tagungsstätten"
- Normenausschuss DIN 18040 "Barrierefreies Bauen"
- Normenausschuss DIN 18041 "Hörsamkeit in Räumen"
- Normenausschuss VDI   2566 "Schallschutz bei Aufzugsanlagen"
- Normenausschuss VDI   2569 "Schallschutz und Lärmminderung im Büro"
- Normenausschuss VDI   3726 "Schallschutz bei Gaststätten und Kegelbahnen"
- Normenausschuss VDI   3728 "Schalldämmung von Türen und Mobilwänden"

Und ich selbst

- war von 1983 bis 2008 von der IHK zu Kiel öffentlich bestellt und vereidigt als Sachverständiger für "Akustik und Thermische Bauphysik"

- war von 1999 bis 2015 Leiter des DSB-Referates BPB (Barrierefreies Planen und Bauen) am Deutschen Schwerhörigenbund e.V.

- war von 1998 bis 2008 berufen in die "Fachkommission Schallschutz" des Verbandes der Materialprüfungsämter e.V. (VMPA), dort (gemeinsam mit sechs Kollegen) zuständig für die fachliche Überprüfung (erstmalig) und die fortlaufende Überwachung der Kollegen-Büros im Hinblick auf die Norm- und Sachgerechtigkeit von deren Schallmessungen.

2. Warum sind wir (möglicherweise) teurer
als unsere Kollegen aber preiswerter?

Alle oben aufgeführten Tätigkeiten sind ehrenamtlich. Sie müssen also durch die Honorare der Planungsaufträge finanziert werden. Dies ist auch völlig richtig so, denn alle Kenntnisse, die bei diesen Tätigkeiten erworben werden, fließen direkt in den Planungsprozess unseres Büros ein (die Kenntnisse aus der Überwachungstätigkeit beim VMPA über die Fehler unserer Kollegen werden zum Beispiel direkt in unserem eigenen QM-System berücksichtigt). Diese Kenntnisse kommen also unmittelbar unseren Auftraggebern und Bauherren zugute, die deshalb üblicherweise gern bereit sind, dass geringfügig höhere Honorar zu zahlen, um dann eine exzellente Beratung und Bauüberwachung zu erhalten.

Die Normungsarbeit für DIN 18040 Barrierefreies Bauen habe ich zum Beispiel von meinem Eintritt in den Normenausschuss im Jahre 1998 bis zur Fertigstellung des Teiles 3 im Jahr 2014 ganze 16 Jahre lang begleitet. In vielen Jahren gab es drei Sitzungen, die oft zwei Tage andauerten und in Berlin oder Mainz stattfanden. Dann fiel nicht nur diese Zeit für die Projektbearbeitung aus, sondern zusätzlich entstanden in den Jahren auch erhebliche Reisekosten.

Hinzu kommt, dass das Deutsche Institut für Normung (DIN) für jeden Normenausschuss von jedem Ausschussmitglied und für jedes Jahr eine Verwaltungs-Pauschale von etwas mehr als 1000 € fordert. (Nein, die Mitarbeit wird nicht etwa vom DIN honoriert, sondern man muss dafür noch bezahlen.) Auch die Arbeiten für den DSB oder für den VMPA waren rein ehrenamtlich. Bei letzterem gab es allerdings Reisekosten-Erstattungen. Aber alle Kosten, welche in den 16 Jahren meiner Referats-Leitung beim DSB anfielen, hat auch die TAUBERT und RUHE GmbH getragen.

Und wenn einmal im Jahr die Deutsche Gesellschaft für Akustik ihre DAGA-Tagung abhält, dann sind dort – ebenso wie bei den DEGA-Fachausschuss-Sitzungen oder beim Informationstag des VMPA zwischen 6 und 8 Mitarbeiter als Teilnehmer zur Fortbildung dabei.

Abschließend habe ich dem Praktikanten vorgeschlagen, bei seinem nächsten DAGA-Besuch und beim VMPA-Infotag doch einmal die Augen offen zu halten, welchen der Pauschal-Honorar-Kollegen er denn wohl unter den Teilnehmern entdeckt.

Seit ich Rentner bin frage ich mich häufig, ob ich denn an diesen Arbeiten jetzt noch teilnehmen und mir auch als Einzel-Person diese Kosten noch „ans Bein binden“ muss/soll. Die zweite DIN 18041-Überarbeitung von 2013 bis 2016 und die Mit-Erarbeitung des zugehörigen Kommentars habe ich aber noch zu Ende geführt und im Normenausschuss DIN 18040 bin ich nach wie vor Mitglied. Ansonsten freue ich mich darüber, dass ich jetzt von verschiedenen Veranstaltern zu Vorträgen eingeladen werde. Honorare gibt es dort häufig nicht, aber zumindest bin ich mir sicher, dass die Reisekosten übernommen werden.

Ach ja, dann sind da ja noch die Tantiemen: Für jedes verkaufte Exemplar des Kommentars zu DIN 18041 erhalte ich 1,04 €. Damit bestreite ich dann meinen Lebensunterhalt…