7.12.1 Lautsprecher

Lautsprecher-Anzahl, -Ort

(Achtung: Hier verlasse ich die sonst konsequente Nutzung der ausschließlich weiblichen Schreib­wei­se, ich habe nämlich noch nie eine „Lautsprecherin“ gesehen.)

Sprache ist ein Mono-Signal, man benötigt also keine Stereo-Übertragung und entsprechend bereits mit einem einzelnen (guten und sachgerechten) Lautsprecher „alles erledigt“. Wenn ein Laut­spre­cher mit einem horizontalen Abstrahlwinkel von etwa 120° nicht für die gesamte Raumbreite aus­reicht, dann ist es sinnvoll, zwei Lautsprecher direkt nebeneinander zu positionieren und um etwa 60° bis 90° gegeneinander zu verdrehen. Damit vermeidet man unschöne Überlagerungen von Wel­len­fron­ten, die man, auch mit großem Bemühen, nicht beherrschen kann. Einen Eindruck davon geben die folgenden drei Teilbilder in Abbildung 7.12.1.

Abbildung 7.12.1.1 Überlagerungen von Wellenfeldern in einer „Wellenwanne“, links: zwei Laut­spre­cher in Stereo-Aufstellung, mittig: enger benachbart, rechts: direkt nebeneinander

Zum selbst-ausprobieren möchte bitte den folgenden Link nutzen:         
https://www.compadre.org/osp/EJSS/3847/31.htm

Die Wellen-Überlagerungen, welche auf dem linken und mittleren Teil-Bild zu sehen sind, lassen sich mit „Delays“ nur für einzelne Plätze beseitigen, für die meisten aber nicht. Bei der Anordnung beider Lautsprecher direkt nebeneinander sind diese Überlagerungen völlig beseitigt. Eine einfache mechanische Maßnahme vermeidet eine aufwändige, aber nutzlose, elektrische.

Der „Beweis“, dass die hier beschriebene Vor­ge­hens­wei­se funktioniert, ist bei etlichen Re­fe­ren­zen von Kirchen, also von großen Räumen mit langem Nach­hall, nachzulesen. Das Besondere an den Lautsprechern, die mit einem ein­zi­gen Bauteil (oder maximal zwei eng nebeneinander) einen großen Raum gleichmäßig mit guter Sprachverständlichkeit beschallen können, ist ihre Bauweise als Linienschallquelle mit vielen, relativ kleinen übereinander an­ge­ord­ne­ten Lautsprecher-Elementen von 2,5“ bis 4“ Durchmesser. Da­durch sind die Gehäuse zwischen 10 cm und 15 cm schmal, aber – je nach Anzahl der Lautsprecher-Elemente sehr hoch. Beispielhaft zeigt das hier eine Abbildung des Herstellers Fohhn für den Typ Linea Focus (Danke für die Ge­neh­mi­gung). Viele andere Hersteller ver­fü­gen über ähnliche Serien, haben aber keine so übersichtliche Abbildung. In vergleichbarer, aber wesentlich grö­ße­rer und auf die dargebotene Musik ab­ge­stimm­ter, Bauweise kann man sich solche Line-Arrays auch an den Büh­nen von „WoA“  ansehen. Die linke, kür­ze­ste der hier abgebildeten Laut­spre­cher­säu­len ist bei nur 13 cm Breite mit 1,4 m etwa dreimal so hoch wie eine Standard-Lautsprecherbox. Daran ist gut zu erkennen, dass es sich hier um eine völlig andere Art der Beschallung handelt.

 

Abbildung 7.12.1.2
Linienstrahler für Sprache
mit „Beam-Steering“

 

Lautsprecher-Ausrichtung

Der maßgebliche Vorteil solcher Linienstrahler liegt in einer sehr scharfen Bündelung des Schall­strahls in der Höhe, ohne die Abstrahlung in die Breite zu verringern. Damit kann man die gesamte abgestrahlte Schallenergie auf die Zuhörerinnen-Fläche lenken und nur wenig Schall­ener­gie gelangt in den oberen, meistens halligeren, Raumbereich. Auch das hilft wiederum gut gegen Rück­kop­pe­lun­gen.

Verwendet man Linienstrahler mit DSP-Steuerung, dann kann man an einem senkrecht an der Wand montierten Lautsprecher den Schallstrahl in einem großen Winkelbereich aufwärts oder (meist) abwärts ausrichten und somit von einer erhöhten Position über die gesamte Zuhörerinnen-Fläche strahlen. Weiterhin lässt sich der Beam enger einstellen oder aufweiten, um die Zu­hö­rer­flä­che von vorne bis hinten abzudecken (Beam-Steering).

Abbildung 7.12.1.3 Diese Animation von Kling und Freitag lässt die Wirkung des Beam-Steering gut erkennen; das hinterlegte Foto kann leider von dort nicht freigegeben werden, deshalb bitte in der verlinkten Veröffentlichung ansehen: 
https://www.kling-freitag.de/content/uploads/kf_article_vdt-beam-steering_2022.pdf

 

Abbildung 7.12.1.4 zwei Linienstrahler nebeneinander in einem sehr breiten Kirchenraum (in dem linken Teilbild befinden sich die Linienstrahler fast genau in Bildmitte)

zum Vergrößern auf die Bilder klicken (2x)

 

Lautsprecher-Position

Lautsprecher, die man im Publikum gut hören soll,
müssen vom Publikum aus gut sichtbar sein!

Für die Position des Lautsprechers sind deshalb zwei Fragen zu klären:

·   Wo soll der Lautsprecher im Grundriss angeordnet werden?

·   Wie hoch über dem Fußboden soll der Lautsprecher montiert werden?

Die erste dieser beiden Fragen zur Anordnung im Grundriss benötigt längere Erläuterungen, weil sich der Ort der Anbringung je nach Raumnutzung erheblich unterscheiden kann, hier nur Stich­wor­te:

·   Aula mit Bühne und ggfs. Bühnenportal:
Lautsprecher einseitig vom Portal

·   Hörsaal mit mittiger Projektionsfläche:
Lautsprecher einseitig der Projektionsfläche

·   Mehrfach-Sporthalle, Zuschauerinnen-Tribüne längsseitig:
Lautsprecher etwa mittig gegenüber der Tribüne

·   Einfeld-Sporthalle mit mobiler Bühne an einer Stirnseite:
Lautsprecher in einer der Raumkanten neben der Bühne

·   Mehrfach-Sporthalle, mobile Bühne stirnseitig:
Lautsprecher in einer der Raumkanten neben der Bühne

·   Mehrfach-Sporthalle, mobile Bühne längsseitig:
Lautsprecher-Paar etwa mittig an der Bühnen-Längswand

·   kommunaler / kirchlicher Gemeindesaal mit wechselnder Bestuhlung
vorher Unterstützung durch Akustik-Fachplanerin hinzuziehen

 

Bei einem Lautsprecher-Paar in sehr breiten Räumen kommen beide nebeneinander – um etwa 90° ge­gen­ein­an­der verdreht – an dieselbe Position; vergleichbar zur Abbildung 7.12.1.4. Die hier ge­nann­ten Vorschläge zur Anbringung sind nicht ganz trivial, insbesondere der letzte. Da kann eine Be­ra­tung durch eine Fach-Planerin keinesfalls schaden! Und auch die vielen verschiedenen Vor­stel­lun­gen der Nutzerinnen sind „unter einen Hut zu bringen“, möglichst schon am Beginn der Planung und nicht erst nach der Montage.

Weitaus einfacher ist die Vorgabe der Montagehöhe der DSP-gesteuerten Lautsprecherarrays zu beschreiben:

Die Unterkante des Arrays sollte sich etwas über der Schulterhöhe einer stehenden erwachsenen Person befinden, also bei etwa 1,75 m über OKF. Dadurch steht die Sprecherin mit ihrem Mikrofon nicht im direkten Schallfeld und die Gefahr der Rückkoppelung wird deutlich verringert. Weiterhin ist – entsprechend der oben beschriebenen Grundregel – der Lautsprecher auch von den hinteren Plät­zen – recht gut sichtbar.

Bei Räumen mit Podesten oder Bühnen ist natürlich zu bedenken, dass „OKF“ sich auf die Höhe der Nutzfläche, dann also auf die Bühnenhöhe bezieht. bei 0,6 m, 0,8 m oder 1,0 m hohen Bühnen oder Podesten sind das dann 2,35 m … über dem „nor­ma­len“ Fußboden.

Bei mobilen Bühnen in Sporthallen wird mit dieser Höhenangabe für den Einsatz mobiler Bühnen auch der Forderung nach DIN 18032-1, Abschnitt 5.2.2 ent­spro­chen, dass bis zu einer Höhe von mindestens 2,0 m über OKF keine Einbauten in die Halle ragen dürfen. Ein guter Kompromiss mit den Sicherheits-Abforderungen wäre eine Laut­spre­cher-Un­ter­kan­te von 2,50 m. Fast alle Hersteller liefern DSP-gesteuerte Line-Arrays in ball­wurf­si­che­rer Ausführung.

Was ist bei der Auswahl von Lautsprechern für Sprache zu beachten?
- für Sprache keine Boxen verwenden, sondern Linienstrahler
- DSP-Linienstrahler lassen sich mit „Beam Steering“ gut ausrichten
- fast immer ist in Bildungsbauten ein einziger Lautsprecher ausreichend
- Position und Ausrichtung des Lautsprechers festlegen (ausreichend hoch) 
- dabei ggfs. verschiedene Nutzungs-Szenarien beachten
- nach zu beschallendem Abstand die Länge des Lautsprechers festlegen
- Unterstützung durch eine Fach-Planerin hinzuziehen

 


Exkurs zur Beschallung in Sporthallen ohne Publikum

In Hallen für reine Sport-Nutzung und ohne Publikum ist bei vielen Sportarten gar keine Beschallung notwendig. Dennoch wird bisweilen gewünscht (oder in den entsprechenden Bau-Programmen ge­for­dert), eine Beschallungsanlage sei mit einzuplanen. Die dient dann aber nicht zur Sprach-Dar­bie­tung, sondern für Musik, z. B. für Tanz, Aerobic- und Fitnesstraining oder Gymnastik mit Cho­reo­gra­phie. In den einfachsten Fällen bringt die Lehrkraft eine mobile Boombox mit.

Bei fest zu installierenden Anlagen handelt es sich nicht um eine Konzert-Übertragung, sondern um Musik zur Bewegung, häufig auch mit Ansagen / Kommandos parallel zur Musik. Eine stereophone Darbietung ist dann nicht notwendig. Die Minimal-Ausstattung besteht aus:

·      Taschensender mit Sport-Headset (die Hände müssen frei bleiben)

·      Funk-Empfänger

·      Multi-Media-Player (CD, SD, USB, BT) mit Fernbedienung

·      Misch-Verstärker ca. 100 W

·      je Hallenteil ein passives Lautsprecher-Array im ballwurfsicheren Gehäuse,
   für eine gute Richtwirkung ca. 1,0 m bis 1,2 m hoch

Zur Aufwandsersparnis ist bei Zwei- und Dreifeldhallen für alle Hallenteile eine zentrale Be­schal­lungs­an­la­ge sinnvoll. Diese muss dann von jedem Hallenfeld aus bedienbar sein, ohne die anderen Hallenteile betreten zu müssen. Die Lautsprecher der „anderen“ Hallenfelder müssen abschaltbar sein, um dort die Übungen nicht zu stören.

Die Nutzung der Beschallungsanlage erhöht das Störpotential gegenüber den benachbarten Hallen. Beschallungen mit unterschiedlichen Programmen in den Hallenteilen sind wegen des geringen ge­gen­sei­ti­gen Schallschutzes (Schallpegeldifferenz der Trennvorhänge meist nur ca. 15 dB) nicht möglich.

Die Installation von Funk-Empfänger, Multi-Media-Player und Misch-Verstärker erfolgt zum Schutz vor fremdem Zugriff üblicherweise in einer der Umkleiden für Lehrerin / Trainerin oder in einem ab­schließ­ba­ren Wandschrank im Geräteraum. In beiden Fällen ist für den Multi-Media-Player die Fern­be­die­nung notwendig und die BT-Koppelung sehr hilfreich. Das jeweilige Lautsprecher-Array wird mit etwa 5° Neigung in einer Hallenkante oberhalb von 2,5 m Höhe mit Ausrichtung in der Raum-Diagonalen angebracht. Bei Zweifeldhallen sollten die Lautsprecher-Arrays in den äußeren Raum­kan­ten montiert werden, nicht in der Nähe des Trennvorhangs. Entsprechendes gilt auch für Drei­feld­hal­len; dort sollte man ggfs. auf eine Beschallung des mittleren Feldes verzichten, um gleich­zei­ti­ge Störungen in beiden Außenhallen zu vermeiden.

Bei den passiven Lautsprecher-Arrays liegt der Kenn-Schalldruckpegel im reflexionsfreien Raum typischerweise bei Lp,1W,1m ≥ 100 dB; der Maximalpegel in der Halle ist nochmals mindestens 10 dB höher. Das ist für die Sport-Unterrichts- und -Trainings-Anwendungen ohne Publikum mehr als aus­rei­chend. Auf die mit einer Beschallung verbundenen Störungen der Nachbarhallen wurde oben schon hingewiesen. In diesem Sinne und auch für den Schutz des Gehörs ist eine Begrenzung der Maximalpegel (Limiter) sinnvoll. Auch in der Sportanlagenlärmschutzverordnung, 18. BImSchV, §3, wird auf eine Schallpegelbegrenzung hingewiesen.

Was ist bei der Beschallung von Sporthallen zu beachten?
- Taschensender mit Sport-Headset
- Funk-Empfänger
- Multi-Media-Player mit Fernbedienung
- Misch-Verstärker ca. 100 W
- Geräte-Einbau an zentral erreichbarer Stelle „unter Verschluss“
- je Hallenteil ein passives Lautsprecher-Array
  im ballwurfsicheren Gehäuse, ca. 1,0 m bis 1,2 m hoch,
  in Raumkante oberhalb 2,5 m angebracht
- jedes Lautsprecher-Array einzeln abschaltbar
- keine parallele Beschallung mehrerer Hallenteile
  mit verschiedenen Programmen

 

Stand 2026-05-20