Der Neubau einer Grundschule wurde in Holzrahmen-Bauweise errichtet. Die Decken bestehen aus 120 mm dicken schlaff bewehrten Betonplatten, die allseits mit den Holzrahmen verschraubt sind. Die Betonplatte soll als thermisches Speichermedium die täglichen Temperaturschwankungen glätten. Damit diese Speichermasse nicht abgeschirmt wird, wurden in den Räumen keine schallabsorbierenden Unterdecken eingebaut.
Schon kurz nach Bezug wurde die raumakustische Situation in den Klassenräumen massiv beanstandet. Das veranlasste den Schulträger, die Nachhallzeiten in mehreren Klassenräumen messen zu lassen. Die Tendenz der Messwerte ist gleich, aber durch unterschiedliche Größen und Ausstattungen der Räume sind sie nicht identisch.
Abbildung 9.3.16.1: Nachhallzeiten in
zwei Klassenräumen,
gestrichelte Linien
für die unbesetzten Mess-Zustände,
durchgezogene Linien
berechnet für ein 80%-Besetzung;
die roten und grünen Linien
markieren den Soll-Bereich
Aufgrund der messtechnisch nachgewiesenen deutlich zu langen Nachhallzeiten hat der Schulträger entschieden, zwischen die tragenden 30 cm hohen Pfetten ebenso hohe „Baffeln“ (senkrechte Absorber-Elemente) zu hängen. Das war die einzige Möglichkeit, die Schallabsorption zu erhöhen, ohne die thermische Speicherfähigkeit nennenswert zu beeinträchtigen. Vom schalltechnischen Berater wurde darauf hingewiesen, dass die Wirkung solcher Baffeln viel zu gering sei, um eine normgerechte Situation zu erreichen. Siehe hierzu auch die Erläuterungen im Kapitel 7.2. Insbesondere fehle, wie in Abbildung 7.2.1 zu erkennen, bei den unteren Frequenzen eine ausreichende Schallabsorption.
Abbildung 9.3.16.2: Schematische Darstellung
der Baffel-Anordnung unter der Decke,
jeweils drei Reihen zwischen den Pfetten
Abbildung 9.3.16.3: Ansicht der untergehängten Baffel-Elemente; beim Blick vom Schülerinnen-Sitzplatz in Richtung zur Tafel sind die Baffeln nur zu einem geringen Teil sichtbar und werden demnach kaum vom Schall getroffen
Weil nach Fertigstellung dieser Maßnahme noch immer Beanstandungen vorliegen, erfolgten abermals Nachhallzeit-Messungen. Die Ergebnisse entsprechen der Vorhersage, dass die Wirkung – insbesondere in den unteren Oktavbereichen – zu gering sei.
Abbildung 9.3.16.4: Nachhallzeiten
in dem kleineren der beiden Klassenräume
vor und nach dem Einbau der schallabsorbierenden Baffeln;
in der Oktave von 125 Hz
wurde nur etwa ein Drittel
der notwendigen Verbesserung erreicht.
In neun Gefachen zwischen den Pfetten wurden je drei Reihen von jeweils zwei Baffeln mit den Abmessungen 3,00 m x 0,30 m x 0,04 m eingehängt. Die Baffeln haben insgesamt eine (einseitige) Ansichtfläche von 48,6 m². In Abbildung 9.3.16.4 sind die Nachhallzeiten des Raumes vor und nach Montage der Baffeln dargestellt. Daraus wurden die beiden jeweils im Raum vorhandenen „äquivalenten Schallabsorptionsflächen“ Avorher und Anachher errechnet und voneinander subtrahiert. Das Ergebnis ΔA ist in der vierten Zeile der Tabelle für die sechs Oktaven von 125 Hz bis 4000 Hz aufgeführt.
Dividiert man ΔA durch die Baffel-Ansichtfläche von 48,6 m², so ergibt sich näherungsweise der Schallabsorptionsgrad der Baffeln frequenzabhängig in Höhe der Werte in der letzten Zeile der Tabelle. Diese Rechenwerte sind aber nur eine grobe Annäherung, weil eine „echte“ Messung in einem normgemäßen Hallraum stattfinden müsste.
Abbildung 9.3.16.5: Dieses Diagramm entspricht der Abbildung 7.2.1 aus Kapitel 7.2. Hier ist zusätzlich der nach obiger Tabelle abgeschätzte
Schallabsorptionsgrad
der Baffeln in der hier vorliegenden Einbausituation eingetragen.
Die Wirkung ist noch geringer, als bei horizontal eingebauten Deckensegeln.
Sehr deutlich ist zu erkennen, dass die schallabsorbierende Wirkung in den unteren Oktaven nur gering ist und selbst bei 4000 Hz nur 0,8 erreicht. Das ist ein Effekt, welcher bei freihängenden Absorber-Elementen, unabhängig vom Material, immer auftritt. Horizontal eingebaute und weitgehend geschlossene Decken haben eine wesentlich bessere Wirkung.
Hinzu kommt, dass freihängende Absorber, auch bei großem baulichen und finanziellen Aufwand immer nur eine relativ kleine Fläche bedecken. Bei 78,0 m² Grundfläche des Raumes beträgt die Gesamtfläche der Baffeln mit 48,6 m² nur 62% oder nicht einmal 2/3 der Fläche, welche eine geschlossene horizontale Decke belegen könnte. Ein niedriger Schallabsorptionsgrad und eine kleine Absorberfläche ergeben dann als Produkt auch nur kleine Werte und entsprechend geringe raumakustische Verbesserungen.
Stand 2025-11-22
Anschrift:
Rethwisch 10
25497 Prisdorf
Kontakt:
Tel.: 04101 79 37 56
Mail: post(@)carsten-ruhe(.)de
Öffnungszeiten:
von Montag bis Sonntag
von 08:00 bis 22:00
Steuer-Nummer:
UStID.: DE134438564
