IndukTive Höranlagen - drei Hörbeispiele

Foto mit der Innenansicht der St. Marien-Kirche in Bad Segeberg mit 4 m hohem Lautsprecher und mittlerem Bankblock, um den die Ringschleife verlegt ist

Die drei­schif­fi­ge Back­stein­ba­si­li­ka St. Ma­ri­en in Bad Se­ge­berg ist schon in der Ro­ma­nik zwi­schen et­wa 1150 und 1250 ge­baut wor­den. Sie hat zwar mit et­wa 3,5 s kei­ne über­mä­ßi­ge, aber doch schon sehr lan­ge Nach­hall­zeit. Durch ei­ne Erb­schaft hat­te die Ge­mein­de ge­nug Geld, um ei­ne (für Gut­hö­ren­de) ex­zel­len­te Laut­spre­cher­an­la­ge ein­zu­bau­en, kom­bi­niert mit ei­ner In­duk­Ti­ven Hör­an­la­ge für die Schwer­hö­ren­den. Scha­de, dass die Erb­las­se­rin das Geld nicht schon vor ih­rem Tod ge­spen­det hat. Dann hät­te sie selbst auch schon viel bes­ser zu­hö­ren kön­nen.

Das Ring­schlei­fen-Ka­bel ist im Recht­eck rund um den Bank­block ver­legt, ei­ne so­ge­nan­nte „Pe­ri­me­ter-Schlei­fe“. Die Fu­gen zwi­schen dem Back­stein-Fuß­bo­den und ei­ni­gen Grab­plat­ten muss­ten aus­rei­chend breit frei­ge­stemmt wer­den, um das Ka­bel dort ein­le­gen zu kön­nen. Da­für hat ein Mau­rer­mei­ster aus dem Kir­chen­ge­mein­de­rat ein­en Lehr­ling so­wie Mei­ßel und Fäu­stel ab­ge­stellt. Die­se Ar­beits­stun­den wur­den für ein „ver­gelt’s Gott“ ab­ge­rech­net, was der Gemeinde ei­ne er­kleck­li­che Sum­me er­spart hat.

In die­ser Kir­che ha­be ich mit ei­nem Hör­ge­rät die drei Ton­auf­nah­men an­ge­fer­tigt, wel­che Sie sich hier an­hö­ren kön­nen, am be­sten über Kopf­hörer. Das ist wirk­lich im­mer wie­der be­ein­druck­end.

Beim Spre­chen stand ich vor­ne am Tauf­beck­en, da­mals ge­nau in der Mit­te der Vier­ung, und die Auf­nah­me mit ei­nem Ta­sch­en-Hör­ge­rät, an das ich ei­nen MP3-Play­er an­schlie­ßen konn­te, er­folg­te hin­ten links in der vor­letz­ten Rei­he nach dem Mot­to:
„Wenn ick nu na vörn g
åh, wat schüllt de an­ner Lüd denn vun mi den­ken? Dat dat mit mien Hör’n nich mehr so wied her is?

„Wenn ich zum bes­ser Zu­hö­ren nach vor­ne gin­ge, was wür­den dann die an­de­ren Leu­te von mir den­ken? Viel­leicht, dass ich schwer hö­re?“

Ein pro­ba­tes Hilfs­mit­tel für Teil­neh­men­de mit Hör­schä­di­gung ist das Mit­le­sen des Tex­tes. Bei Live-Dar­bie­tun­gen be­nö­tigt man Schrift-Dol­met­scher:­innen; wenn der Text schon schrift­lich aus­ge­ar­bei­tet wur­de (was bei den mei­sten Pre­dig­ten der Fall ist), dann kann man den Text vor­ab aus­tei­len. Hör­en Sie sich die er­ste Auf­nah­me noch ein­mal an und ver­fol­gen Sie da­bei den Text. Das geht schon merk­lich bes­ser, ist aber im­mer noch an­stren­gend: Hör­stress statt Kon­tem­pla­tion…

Auf­nah­me 1: Die fo­lgen­de Auf­nah­me ent­stand wäh­rend der Ein­mess­ar­bei­ten an der Be­schal­lungs­an­la­ge der St. Ma­rien­kir­che in Bad Se­ge­berg am 5. Mai 2006. Bei der er­sten Auf­nah­me hö­ren Sie zu­nächst die Sprach­dar­bie­tung vom Tau­fbeck­en bei aus­ge­schal­te­ter Laut­spre­cher­an­la­ge und oh­ne In­duk­Ti­ve Hör­an­la­ge in der Weise, wie sie ein schwer­hö­ren­der Got­tes­dienst­teil­neh­mer hö­ren wür­de, wenn die Be­schal­lung ab­ge­schal­tet ist. Die Auf­nah­me er­folg­te da­bei mit dem Mi­kro­fon ei­nes Hör­ge­rä­tes.

Bei der zwei­ten Auf­nah­me wur­de der Laut­spre­cher zu­ge­schal­tet und er­neut ein gleich­ar­ti­ger Text ge­spro­chen, nur das Wort „aus­ge­schal­te­ter“ wur­de durch „ein­ge­schal­te­ter“ er­setzt.

„Fru Pa­ster, Se hebbt so een scheu­ne un klo­re Stimm un mit de nie­ge Luut­snacker-Anlaag in de Kark heff ick elk een Wort hüürt. Man mööt Se den jüm­mers so nuschln? Hebbt se dat denn as Vi­ka­rin nich be­ter prö­ven müsst? Wat? Ick sall mi vun mien Aku­sti­ker de T-Spuul in­rich­ten lå­ten? Dat köst doch wiss noch mol wed­der 300,- €; de Din­ger sünd jo so all so düer west. Se seggt, das köst nix? Na, to­minnst dat Fro­gen köst nix…“ 
„Frau Pa­sto­rin, Sie ha­ben e­ine so schö­ne und kla­re Stim­me und mit der neu­en Laut­spre­cher-An­la­ge in der Kir­che ha­be ich je­des Wort von Ih­nen ge­hört. Aber müs­sen Sie im­mer so nu­scheln, ich habe nicht ein Wort ver­stan­den? Ha­ben Sie das denn als Vi­ka­rin nicht bes­ser ge­übt? Wie bit­te? Ich soll mir von meinem Hör­aku­sti­ker die T-Spu­le ein­rich­ten las­sen? Das ko­stet be­stimmt noch ein­mal wie­der 300,-€; die Din­ger wa­ren doch ohne­hin schon so teu­er! Sie sa­gen, das ko­stet nichts? Na, zu­min­dest das Fra­gen ko­stet nichts...“

Bei der drit­ten Auf­nah­me wur­de am Hör­ge­rät von „M“ (Mi­kro­fon) auf „T“ (Te­le­fon-Spule, In­duk­Ti­ver Emp­fang) um­ge­stellt und so die frisch ak­ti­vie­rte T-Spu­le zu­ge­schal­tet. Wie war der Got­tes­dienst-Be­su­cher er­staunt, dass sein stän­di­ges Nör­geln bei der Pa­sto­rin nun doch ge­fruch­tet und sie end­lich ge­übt hatte. Plötz­lich kon­nte sie klar und deut­lich spre­chen!

„Dor mutt ick ehr ach­ter­an gliks mol lo­ven…“
„Da muss ich sie hinter­her gleich mal lo­ben…“

 

Fazit: Höranlagen mit direktem Zuspiel in das Ohr des Hörers sind eine gewaltige Hilfe!

Etliche Schwerhörende, denen erst nach Jahren die T-Spulen ihrer Hörgeräte aktiviert wurden, hatten dabei zu Herzen gehende Erlebnisse. Einige haben mir ihre Erfahrungen berichtet.