Vom Ende der Übertragungskette, den Lautsprechern, geht es jetzt zunächst ganz an den Anfang, zu den Mikrofonen. Auch hier kann man viel falsch machen, insbesondere dann, wenn man ohne Bedenken Gesangsmikrofone für Sprache verwenden will. Aber auch teure Studiomikrofone können die Gesetze der Physik nicht außer Kraft setzen und müssen deshalb bei Sprachwiedergabe nicht automatisch bessere Ergebnisse erzielen. Auch die besten Mikrofone kommen an ihre Grenzen, wenn die Raumakustik nicht zumindest näherungsweise den Anforderungen nach DIN 18041 entspricht. Siehe Kapitel 6.1.5 (Aulen) und 6.1.6 (Hörsäle).
Eine sehr schöne Übersicht über unterschiedliche Mikrofone für unterschiedliche Einsatzbereiche habe ich bei Professional System gefunden. Im Wesentlichen musste ich diesen Text nur an die in Bildungsbauten vorkommenden Situationen anpassen. Wer genaueres zu den verschiedenen Mikrofontypen lesen möchte, wird auf den Exkurs Mikrofone im Kapitel 7.12.1 (in Arbeit) verwiesen.
Die Spannweite der Mikrofone für Sprachdarbietungen vor Publikum (freie Ansprache, Vortrag von einem Pult aus, Vorlesung mit Präsentation, Theater und Vorführungen mit Kindern, z. B. bei Einschulungen) ist riesig und deshalb nicht mit DEM Mikrofon abzudecken.
Soll die Sprache aufgezeichnet oder übertragen werden (Streaming oder Hörunterstützung), ist ein Mikrofon unerlässlich, sonst erhalten diese Medien kein Signal. Dabei besteht generell die Wahl zwischen einer festen Installation oder mobilen Anwendungen, nämlich Hand-, Ansteck- oder Ohrbügelmikrofonen. In vielen Fällen benötigt man im Laufe einer Veranstaltung mehrere Mikrofon-Arten, z. B. Moderatorin mit Hand-Mikrofon und die Vortragende mit festem Mikrofon am Pult.
Pult-Mikrofone
Ansprachen vom Pult sind der Standard einer Vortrags- oder Vorlesungs-Situation. Auf der Pultfläche steht der Rechner für die Präsentation und an dieser „festgenagelten“ Position mit Blick auf den Bildschirm und damit in Richtung Publikum ist ein Absehen vom Mund als Versteh-Unterstützung möglich. Für eine ungeübte Sprecherin kann das Pult darüber hinaus hilfreich sein, die für sie fremde Situation zu bewältigen und die Hände zu positionieren.
Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit ist bei Aufzeichnungen oder Übertragungen hilfreich, weil dann Ausleuchtung, Kamerapositionen, die Zuspielung des Redetextes via Prompter und nicht zuletzt die Tonabnahme ohne Probleme auf den Ort des Geschehens optimiert werden können. Dabei lassen sich die Mikrofone vergleichsweise einfach anordnen.
Häufig werden die Mikrofone mit fest am Pult montierten Schwanenhälsen angebracht. Wenn das Rednerpult zentral aufgestellt wird und somit die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass man sich während des Vortrags nach links und rechts an das Publikum wendet, sind zwei Mikrofone sinnvoll, um beide Richtungen abdecken. Häufiger findet sich aber in Bildungsbauten ein Pult an der Seite des Podiums, um zentral den Blick auf Projektionen freizuhalten. Dann käme man prinzipiell mit nur einem Mikrofon an der dem Publikum mehr zugewandten Seite aus. Wenn die Sprecherin sich aber mit dem Pointer zur Präsentation wendet, benötigt man doch das zweite. Das Gleiche gilt, sofern das Pult mal links und mal rechts auf der Bühne aufgestellt wird.
Abbildung 7.12.2.1 Pult-Mikrofone mit Schwanenhals, rechts auch mit integrierter LED-Manuskript-Beleuchtung
Vor dem Pult positionierte Mikrofonständer, insbesondere mit „Galgen“, machen einen improvisierten Eindruck und bergen auch ein gewisses Risiko für die Vortragende. Wenn die Arretierung des Mikrofongalgens ausgeleiert ist und dieser, der Schwerkraft nachgebend, pausenlos nach unten sinkt, muss die Sprecherin das Mikrofon immer und immer wieder in die korrekte Position zu bringen und wird dadurch in der Darbietung unterbrochen. Weiterhin stören solche Mikrofon-Galgen einerseits auch den freien Blick auf das Skript und andererseits das Mundabsehen für das Publikum. Einen optisch „aufgeräumten“ Eindruck machen Ständer mit Guss-Rundsockel und innerhalb des Rohres geführtem Kabel.
Abbildung 7.12.2.2 Mikrofon-Ständer zur Aufstellung vor einem Rednerinnen-Pult, links K&M 252, vielfach verstellbar, aber ein wackeliger „Klapperatismus“ mit frei herumfliegendem Mikrofon-Kabel, rechts Ständer mit Schwanenhälsen von AVE, Seis und Gravity mit im Rohr geführten Mikrofon-Kabel und XLR-Anschluss am Sockel, dezent und „aufgeräumt“ mit sicherem Stand
Mobile Anwendungen
Bei den mobilen Mikrofonen gibt es einen Klassiker: das Handmikrofon. Ursprünglich wurde es nur am Kabel eingesetzt. Diese Variante ist heute bei Sprachdarbietungen fast überall zu Gunsten drahtloser Systeme verschwunden.
Ein wichtiger Vorteil des Handmikrofons ist seine Flexibilität. Es kann rasch von einer Person zur anderen geschwenkt oder weitergereicht werden. Falls es einmal ausfallen sollte, kann es sehr schnell durch ein Reservemikrofon ersetzt werden. Naturgemäß schränkt es die Gestik der Sprecherin ein, wenn sie ein Mikrofon ständig in der Hand und in der Nähe des Mundes halten muss. Wenn in der anderen Hand noch ein Manuskript zu halten ist, sind beide Hände „belegt“. Dann sind Gesten zur Unterstützung des Gesprochenen nicht möglich. Auch wird wieder das Absehen vom Mund für die barrierefreie Darbietung erschwert.
Drahtlose Ansteck-Mikrofone
Wer während des Vortrags gerne beide Hände frei hat oder haben muss, z. B. für physikalische /chemische Demonstration oder für einen Pointer, wird statt eines Handmikrofons lieber auf ein Ansteckmikrofon (Lavalier) zurückgreifen. Ein kleines Mikrofon wird an der Kleidung befestigt und an einen Taschensender angeschlossen.
Die Vortragende ist mit einem Ansteckmikrofon in ihren Bewegungen viel weniger eingeschränkt als mit einem Handmikrofon aber in Bezug auf die Sprechrichtung besteht geringe Flexibilität: Jede Kopfbewegung verändert die Lautstärke und den Klang. Auch kann beim ungünstigen Anbringen des Mikrofons durch Kontakt mit der Kleidung störendes Rascheln entstehen.
Ohrbügel-Mikrofone
Ohrbügel-Mikrofone unterscheiden sich in der grundlegenden Technik nur wenig von den Ansteckmikrofonen, sind aber mechanisch anders ausgeführt. Hier befindet sich das Mikrofon an einem Bügel, der – mit einem Bogen hinten um den Kopf herum – hinter den beiden Ohren befestigt wird. Dadurch befindet es sich in einem definierten und auch unveränderlichen Abstand zum Mund. Sofern die Ohrbügelmikrofone hautfarben gehalten sind, wirken sie rein optisch nur wenig störend.
Allerdings werden alle Lautäußerungen der Rednerin wie Atmen, Schmatzen, Räuspern oder gar Husten, unerbittlich mitübertragen. Darüber hinaus ist mitunter der Tragekomfort gerade bei langen Vorträgen nicht so gut wie bei Ansteckmikrofonen. Das gilt besonders dann, wenn die Sprecherin eine Brille (und unter Umständen auch noch Hörgeräte oder Sprachprozessoren von Cochlea-Implantaten) trägt.
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Wann sind Mikrofone sinnvoll? |
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Wann werden fest
installierte Pult-Mikrofone benötigt? |
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Wann werden
Hand-Mikrofone benötigt? |
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Wann werden
Ansteck-Mikrofone (Lavalier) benötigt? |
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Wann werden
Ohrbügel-Mikrofone benötigt? |
Stand 2026-02-24
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